Serbiens Kriegsmuseum

98dmz3Belgrad: Zwischen Militärhistorie und Partisanenverklärung

Das serbische Vojni muzej, das Kriegsmuseum, in der serbischen Hauptstadt Belgrad wurde bereits 1878 gegründet. Schon damals bei der Gründung gab es hinsichtlich der bewegten und von zahlreichen Kriegen geprägten Geschichte Serbiens viel vorzuzeigen. Seit der Eröffnung der Museums mangelt es daher an Raum für die zahlreichen Ausstellungsstücke. Heute wird das Museum von der eindrucksvollen Belgrader Zitadelle beherbergt. Die Summe der ausgestellten Exponate ist inzwischen auf über 3.000 angewachsen – manche Quellen sprechen fälschlicherweise gar von 30.000, doch hierbei dürfte es sich um eine Schätzung einschließlich der Lagerbestände handeln. Die Ausstellungen sind umfangreich und vielseitig, von Kriegsmaterial aus der Römerzeit bis hin zu Streubomben und Granaten mit Uran- und Graphitladungen, die – wie es im Museum heißt – von der NATO illegal im Balkankonflikt gegen Serbien eingesetzt worden seien, ist alles zu sehen. Selbst ein sogenannter „Humvee“ der U.S. Army, ein serbisches Beutestück aus dem Kosovokrieg 1999, wird stolz zur Schau gestellt.

In beiden Weltkriegen zerstört

Die Anfänge des Kriegsmuseums waren bescheiden. Es dauerte bis 1904, bis die ersten wirklich relevanten Objekte zum hundertjährigen Jubiläum der serbischen Revolution und als Teil der Krönungsfeier König Peters ausgestellt wurden. Drei Jahre später jedoch machte das Museum schon europaweit von sich reden, als auf der Messe Balkan-Expo in London etwa 100 sorgsam ausgewählte Exponate präsentiert wurden, die vom Publikum mit großem Interesse aufgenommen und in den Zeitungen beifällig beschrieben wurden. Der Erste Weltkrieg bereitete dem Museum zunächst ein gewaltsames Ende: Das Gebäude wurde von österreichisch-ungarischen Truppen zerstört und die zum Teil sehr wertvollen Ausstellungsstücke wurden demoliert oder sichergestellt.

Es dauerte zwei Jahrzehnte bis zu einem Neuanfang. Erst im Jahr 1937 wurde hoffnungsvoll eine Dauerausstellung eröffnet, die allerdings auch nicht mit langer Lebensdauer gesegnet war, denn der Zweite Weltkrieg bedeutete einen erneuten Rückschlag. Die deutschen Truppen waren dem musealen Konzept zwar wohlgesonnen, und der Museumsbetrieb konnte aufrechterhalten werden. Als allerdings alliierte Bomber 1944 die Belgrader Innenstadt in Schutt und Asche legten, wurde auch das Museum erneut zerstört, zahlreiche Exponate gingen verloren. Der Krieg und die nachfolgende Gewaltherrschaft der Tito-Kommunisten schwemmten allerdings eine ungeheure Masse an Material heran, das alsbald seinen Platz in den Ausstellungsräumen fand. Ein großer Teil der ausgestellten Kriegsbeute war von den Deutschen zurückgelassen worden und macht bis heute einen beträchtlichen Prozentsatz der Exponate aus. Darunter befinden sich vor allem Panzer und Geschütze, die außerhalb des eigentlichen Museums im Festungsgraben der Zitadelle aufgestellt sind und dort gerne von Schulklassen besucht werden. Daß die Kinder auf den Panzern und Kanonen herumklettern und zwischen ihnen spielen, stört niemanden.

Unkritisch betrachtet wird das Wirken der Tito-Partisanen. Ihren militärischen Erfolgen ist ein großes Museumssegment gewidmet – die zahlreichen von ihnen verübten Greueltaten und zigtausendfachen Morde hingegen finden keine nennenswerte Beachtung. Tito war es allerdings auch, der 1961 das neue Museum einweihte, das alsbald von nahezu allen wichtigen Delegationen des Auslands besucht wurde. Eine kritische Sicht auf die Partisanengreuel war unter diesen Umständen nicht gewollt.

Mächtiges Festungswerk

Das Museum ist bemüht, die Ausstellungen stets um rare Objekte zu erweitern. Die Archive der Einrichtung sind gigantisch: Historiker finden dort 15.000 Bücher, mehr als 5.000 Zeitschriften sowie über 100.000 zeitgenössische Fotografien vor – eine wahre Goldmine für Recherchen.

Das Militärmuseum ist Teil des ausgedehnten Kalemegdan-Komplexes, und dieser gehört wiederum zur Belgrader Zitadelle – einer großen Befestigungsanlage mit Grundstrukturen aus dem frühen 15. Jahrhundert. Das mächtige Festungswerk liegt nordwestlich des heutigen Stadtzentrums von Belgrad auf einem Hügel nahe der Mündung des Flusses Save in die Donau. Die Anlage ist von einem schönen Park umgeben. Sie gilt als Wahrzeichen und wichtige touristische Attraktion der Hauptstadt.

Roland Hanewald

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