Mobil und wirkungsstark

Foto: MOWAG

Das leichte taktische Einsatzfahrzeug „Eagle“ V der Bundeswehr

Die verschiedenen und vor allem neuen Einsatzszenarien, denen sich die Bundeswehr seit mehreren Jahren gegenüber sieht, machten frühzeitig einen Bedarf für schnelle, hochgeländegängige und gepanzerte Allradfahrzeuge in den Gewichtsklassen zwischen fünf und 20 Tonnen deutlich. Diese Fahrzeuge sollten idealerweise gleichzeitig als Transport-, Gruppen- und Basisfahrzeug dienen. Die veränderten Anforderungen an den Fuhrpark sind dabei vor allem durch die häufig extremen klimatischen Bedingungen in den Einsatzgebieten und die unkonventionelle Kampfweise der Feindkräfte z.B. in Afghanistan bedingt. Durch das Fehlen klarer Frontlinien gibt es für die Soldaten kein gefährliches Vorne und sicheres Hinten mehr. Jeder Quadratmeter Boden im Einsatzland ist potentiell gefährliches Terrain.

Bundeswehr: Über 170 neue „Eagle“

Um die Nachfrage nach entsprechendem Gerät zu befriedigen, hat die Bundeswehr inzwischen verschiedene Fahrzeuge beschafft, darunter den „Eagle“ IV. Immerhin 450 Radfahrzeuge dieses Typs lieferte ein Konsortium um den US‑Konzern General Dynamics und seine Schweizer Tochterfirma MOWAG an das deutsche Heer. Sie werden in der General Dynamics European Land Systems-Mowag GmbH in Kreuzlingen im Schweizer Kanton Thurgau und in der General Dynamics European Land Systems-Germany GmbH in Kaiserslautern gefertigt. Bei verschiedenen Anschlägen und Hinterhalten auf Patrouillen der deutschen ISAF-Kräfte in Afghanistan haben die Fahrzeuge ihre Einsatztauglichkeit bereits beeindruckend unter Beweis gestellt. Selbst das Kontingent der Ausbildungsmission der deutschen Bundespolizei wurde, basierend auf den guten Erfahrungen der Bundeswehr, mit zehn „Eagle“ IV ausgestattet.

MOWAG hat nun mit einem neuen „Eagle“ nachgelegt: Auch die Bundeswehr hat aktuell 176 Exemplare des weiterentwickelten, gepanzerten Radfahrzeugs „Eagle“ V für ihre Einsatzkräfte geordert. Der Auftrag im Wert von knapp 110 Millionen Euro umfaßt auch die Wartung der neuen Fahrzeuggeneration. Für den „Eagle“ V spricht auch, daß rund 80 Prozent der Ersatzteile des „älteren“ Modells „Eagle“ IV auch für das Nachfolgemodell passen.

Die breit aufgestellte „Eagle“-Familie basiert auf einem stabilen Grundrahmen-Konzept, das mit unterschiedlichen Missionsmodulen – je nach Kundenanforderung – endmontiert werden kann. Die auf zwei, vier oder fünf Insassen zugeschnittenen Innenräume sind hochgeschützte Sicherheitszellen. Es sind auch Fahrzeug-Versionen mit verschiedenen Ladeflächen und Rüstsätzen realisierbar. Die insgesamt zwölf möglichen Varianten decken eine breite Bedarfspalette ab. Bereits der „Eagle“ IV, der in größerer Stückzahl auch in den Armeen Dänemarks und der Schweiz zum Einsatz kommt, setzte neue Maßstäbe in den Bereichen Mobilität, Schutz und – besonders kritisch – Überlebensfähigkeit von Unterstützungsfahrzeugen.

Wohl wichtigste Variante der „Eagle“-Produktpalette ist die dreiachsige 6 x 6-Version in der 15 Tonnen-Klasse (7,7 Tonnen Eigengewicht und 7,3 Tonnen Zuladung). Dieses Gefährt ist mit seiner hohen Zuladefähigkeit für eine vielseitige Einsatzbandbreite geeignet. Das Fahrzeug mit seinen knapp sieben Metern Länge, 2,3 Metern Höhe (ohne Waffenstation) und 2,3 Metern Breite eignet sich in hohem Maße für Aufgaben der Fernaufklärung, der Langzeitüberwachung von Räumen, als Sanitätsfahrzeug (Forward MedEvac) und sogar in offener Version als Gruppenfahrzeug für Kommandoeinsätze der Spezialkräfte.

Am Einsatz orientiert

Die konsequent an der Einsatzrealität orientierte Weiterentwicklung dieses Fahrzeugtyps hat im „Eagle“ V deutlich verbesserte Leistungsmerkmale zur Folge. Neben dem wesentlich besseren Minenschutz durch die Verwendung neuer Stahlsorten und Verbundstoffe, tragen der entkoppelte Fahrzeugboden und die an der Decke des Innenraums befestigten Sitze zur zusätzlichen Sicherheit der Soldaten bei. Der kompakte, permanent allradgetriebene Radwagen wird durch einen leistungsstarken Sechszylinder-Turbo-Dieselmotor (Allison 2500SP) angetrieben. Ein Fünfgang-Automatikgetriebe und das zweistufige Verteilergetriebe erlauben ein übergangsloses und flüssiges Fahrverhalten. Der „Eagle“ verwendet wegen seiner Spurstärke und dem relativ hohen Gewicht pneumatisch-hydraulische Scheibenbremsen. Das Fahrzeug weist, gerade auf losem Untergrund, eine extrem hohe Geländegängigkeit auf. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Straße wird vom Hersteller mit 110 km/h angegeben – im Gelände schafft der „Eagle“ immerhin noch 55 km/h. Der Wendekreis liegt bei akzeptablen 18 Metern. Das Fahrzeug ist zudem bis 1,2 Meter Wassertiefe watfähig. Auf der Straße erreicht der Wagen eine beachtliche Reichweite von bis zu 700 Kilometern. Gemäß der Mobilitätsklassifizierung der Wehrtechnischen Dienststelle 41 (WTD 41) der Bundeswehr in Trier weisen die „Eagle“-Fahrzeuge den höchsten Mobilitätsgrad ihrer Klasse auf. Das Innenraumvolumen der 6 x 6-Version umfaßt beachtliche 14,5 Kubikmeter und bietet einer Infanteriegruppe mit Ausrüstung relativ bequemen Platz. Die Soldaten besteigen und verlassen das Fahrzeug über eine hydraulisch zu öffnende Heckklappe. Die Position der aus dem Wageninneren heraus fernlenkbaren Waffenstation FLW 100/200 ist im Vergleich zu Vorgängermodellen weiter in den vorderen Bereich des Fahrzeuges verlegt worden und ermöglicht damit noch effizienter die feuerstarke Unterstützung der Infanteriekräfte.

Björn Sefari

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