Zwei Stunden brachten die Wende: Vor 200 Jahren siegte General Yorck bei Wartenburg

Tauroggen-Gedenkstein (Foto: ZUERST!-Archiv)

Wartenburg. Am 3. Oktober 1813, vor 200 Jahren, fand während der Befreiungskriege die Schlacht bei Wartenburg statt.

Anfang Dezember 1812 kehrten die Reste der geschlagenen französischen Armee Napoleons aus dem Rußlandfeldzug zurück und erreichten preußischen Boden. Am 30. Dezember 1812 schloß der kommandierende General des preußischen Hilfskorps der Grande Armée, Johann David Ludwig von Yorck, in der Mühle von Poscherun mit dem russischen General Hans Karl von Diebitsch eigenmächtig einen Waffenstillstand. In dieser Konvention von Tauroggen verpflichtete sich Preußen zur Neutralität.

Erst am 17. März 1813 erklärte der preußische König Friedrich Wilhelm III., nach einem Treffen mit dem russischen Zar Alexander I. und mit der Unterzeichnung des ersehnten Aufrufs „An Mein Volk“ dem napoleonischen Frankreich den Krieg. Daraufhin wurden neue preußische Einheiten aufgestellt, vor allem die Landwehr und der Landsturm, daneben aber auch Freiwillige Jäger und Freikorps.

Zunächst erlitten die Freiheitskämpfer einige Niederlagen, so in den Schlachten von Möckern, Großgörschen und Bautzen. Danach kam es zu einem Waffenstillstand, während dessen Schweden und Österreich sich den Freiheitskämpfern anschlossen.

Nach Ablauf des Waffenstillstandes befand sich Napoleon mit seinen Truppen im Dresdner Raum. August Neidhart von Gneisenau plante, daß die Schlesische Armee die Elbe überqueren sollte, ohne daß Napoleon davon Kenntnis erlangen konnte. Am 26. September 1813 marschierten preußische und russische Kolonnen nach Nordwesten in Richtung Elsterwerda ab und am nächsten Tag folgte General Gebhard Leberecht von Blücher mit dem Hauptquartier. Eine Woche später erreichte die Armee die Untere Elster hinter Jessen. Am 2. Oktober trafen die Führer der einzelnen Armeeinheiten zur entscheidenden strategischen Beratung zusammen.

Am Morgen des 3. Oktober 1813 begannen sich die Truppen des I. preußischen Armeekorps unter dem Befehlshaber Generalleutnant von Yorck von Jessen aus nach Elster in Marsch zu setzen. Die Division Morand des Korps Bertrand stand Yorcks Soldaten in gut geschützten Stellungen gegenüber. Südöstlich von Wartenburg lag in Bleddin die württembergische Division Franquemont und dahinter die italienische Division Fontanelli.

Der erste Angriff der Brigade Steinmetz war erfolglos. Dann gelang es Prinz Karl zu Mecklenburg, innerhalb von zwei Stunden Bleddin zu erobern. Danach, gegen 14 Uhr, ging der Prinz zum Angriff auf die Stellungen von Wartenburg über. General von Horn drang als erster in Wartenburg ein, und schließlich siegten bei einem Kavalleriegefecht im nahen Globig innerhalb einer Stunde preußische und mecklenburgische Husaren.

Am Abend versammelten sich die Führer der preußischen Truppen im Saal des Wartenburger Schlosses und feierten ihren Sieg. Blücher erinnerte in seinem Trinkspruch an den großen Helden Scharnhorst. Die preußischen Verluste betrugen 1.500 Mann, das Korps Bertrand verlor 1.000 Gefangene sowie 11 Geschütze und 70 Wagen. Der Rest der Franzosen flüchtete bis hinter die Mulde.

Die Schlacht bei Wartenburg bedeutete für Napoleon, der sich Richtung Westen zurückziehen mußte, jene strategische Wende, die schließlich zur Völkerschlacht bei Leipzig führte. Yorck bekam als Anerkennung für seine Leistungen den Titel „von Wartenburg“ verliehen.

Dieser Artikel erschien zuerst in “Der Schlesier”.

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