Völkerringen

Völkerschlacht, Foto: DMZ-Archiv

Oktober 1813: Völkerschlacht bei Leipzig

Sie besiegelte nicht nur die französische Niederlage in den Befreiungskriegen (1813–1815), sondern sie war mit mehr als 600.000 beteiligten Soldaten auch die wohl größte Schlacht der Weltgeschichte bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Die Völkerschlacht bei Leipzig im Ok­tober 1813 ist legendär. Mit Napoleons Niederlage gegen die verbündeten Preußen, Russen, Österreicher, Schweden und kleindeutschen Staaten brach das französische Joch über Europa endgültig auseinander. Zwar dauerten die Kriege noch zwei Jahre an – doch ihr Ausgang stand nicht mehr infrage.

Kriegsentscheidende Schlacht

Napoleon verfügte im Herbst 1813 über 442.000 Mann, davon 40.000 Kavalleristen. Ihm gegenüber standen 184.000 Russen, 160.000 Preußen, 127.000 Österreicher, 23.000 Schweden, 6.000 Mecklenburger sowie weitere 9.000 Mann aus den restlichen deutschen Staaten.

Aus den Truppen der Koalition wurden drei Armeen gebildet. Die böhmische Armee unter dem österreichischen Ge­neral Karl Philipp zu Schwarzenberg bestand aus den 127.000 Österreichern, zu denen noch 82.000 Russen und 45.000 Preußen kamen. Die schlesische Armee unter dem preu­ßischen General Gebhard von Blücher bestand aus 66.000 Russen sowie 38.000 Preußen. Und die Nordarmee unter dem schwedischen Kronprinzen Bernadotte schließlich setzte sich aus 73.000 Preußen, 29.000 Russen sowie 23.000 Schweden zusammen.

Die Niederlagen der französischen Truppen bei Großbeeren (23. August), an der Katzbach (26. August), bei Kulm (30. August) und Dennewitz (6. September) hatten Napoleon gezwungen, sich von Dresden zurückzuziehen und seine Armee am 14. Oktober um Leipzig zu vereinigen, gegen das sich nun auch die Heere der Verbündeten konzentrisch in Marsch setzten.

Am 15. Oktober positionierte Napoleon mit 110.000 Mann einen großen Teil seiner Truppen südlich von Leipzig. Die Hauptmasse der alliierten Truppen bildete die böhmische Armee unter Schwarzenberg mit 130.000 Soldaten, die bereits von Süden heranrückte und bei der sich der russische Zar Alexander I. sowie der preußische König Friedrich Wilhelm III. aufhielten.

Noch vor Tagesanbruch des 16. Oktober setzte sich die Armee in Marsch und eröffnete gegen neun Uhr ein Donnerwetter aus Geschützfeuer, an das sich nahtlos der Angriff der Sturmkolonnen gegen die französische Stellung anschloß. Dennoch verliefen die Kämpfe zunächst wechselhaft: Markkleeberg beispielsweise wurde viermal erobert und wieder aufgegeben. Auch Wachau, wo Napoleon selbst befehligte, wurde von Preußen und Russen unter dem Prinzen Eugen von Württemberg eingenommen, mußte jedoch unter schwersten Verlusten wieder geräumt werden. Die Angreifer verloren den Kolmberg – die ganze Linie der Verbündeten war nach kurzer Zeit durch die Kämpfe so geschwächt, daß sie sich nur mit Mühe behaupten konnten. Daraufhin eilte nach 12 Uhr mittags Schwarzenberg mit dem Korps Hessen-Homburg zur Hilfe.

Napoleon, durch den bisherigen Gang der Schlacht er­mutigt, entschloß sich, nun selbst zum Angriff überzugehen. Um 15 Uhr versuchten 8.000 französische Reiter, das Zen­trum der Verbündeten bei Wachau zu durchbrechen. Sie drangen bis zu dem Hügel vor, auf dem sich die Monarchen und Schwarzenberg befanden – eine kritische Situation. Im letzten Moment konnten die Reiter aber durch die russische Infanterie und die zur Hilfe herbeieilende verbündete Rei­terei abgewehrt werden. Ein zweiter Angriff der fran­zösischen Infanterie mißlang ebenfalls. Napoleon konnte keine frischen Truppen mehr ins Feuer führen, und die Nacht beendete die Kämpfe.

Die Wende

Das Vorgehen der schlesischen Armee im Norden hatte demgegenüber einen entscheidenden Erfolg gehabt: General Ludwig Yorck richtete den Angriff seines Korps, das etwa 20.000 Mann stark war, gegen das durch seine Lage als natür­liche Fe­stung wirkende Dorf Möckern, das nach meh­reren ab­­geschlagenen Angriffen schließlich erstürmt wurde. Die fran­zösische Stellung im Norden von Leipzig war durchbrochen. Napoleon wurde auch der erhoffte Sieg bei Wachau entrissen.

Der 17. Oktober verlief größtenteils ruhig. Napoleon hatte keinen entscheidenden Sieg erfochten und konnte die Verbündeten auch nicht daran hindern, nach Ankunft von 100.000 Mann Verstärkung den Angriff wieder aufzunehmen. Seine Stellung bei Leipzig war unhaltbar ge­worden. Am 18. Oktober um 2 Uhr morgens gab Napoleon die alte, in ihrer Ausdehnung nicht mehr zu behauptende Linie auf und zog sich näher an Leipzig zurück. Doch auch die neue Stellung war – obwohl deutlich verkürzt und noch von 150.000 Mann besetzt – dem ver­einigten Angriff der Verbündeten kaum mehr gewachsen. Diese hatten sich mittlerweile auf 300.000 Mann mit 1.400 Geschützen verstärkt.

Trotzdem tobte die Schlacht auch am 18. Oktober heftig. Als am Nachmittag der rechte Flügel der böhmischen Armee unter August Benningsen eingriff, wurden den Fran­zosen Zuckelhausen, Holzhausen und Pauns­dorf entrissen, woraufhin 3.000 bis 4.000 Sachsen und 500 würt­tember­gische Reiter unter französischer Flagge zu den Verbündeten überliefen. Die schlesische Armee er­oberte Schönefeld und Gohlis, und als die Nacht hereinbrach, waren die Franzosen im Osten und Norden von Leipzig schon fast ganz an den Stadtrand zurückgedrängt.

In der Nacht begann der Abmarsch des französischen Heeres. Nur wenige Truppen sollten die Stadt verteidigen und den Rückzug decken – alle Punkte außerhalb Leipzigs wurden geräumt. Napoleon hatte sich zwar hartnäckig verteidigt, für den Rückzug aber nur unzureichende Vorkehrungen getroffen. Dieser verlief daher stockend, zumal nur noch eine einzige Straße nach Weißenfels offenstand.

Nachdem am 19. Oktober der französische Rückzug erkannt worden war, begannen die Alliierten mit der Erstürmung Leipzigs. Der Rückzug der französischen Armee aus der Stadt geriet zur überstürzten Flucht in Richtung des Ranstädter Tores, und Napoleon selbst konnte nur mit Mühe entkommen.

Napoleons Herrschaft gebrochen

Die dreitägige Schlacht hatte auf beiden Seiten schwere Opfer gefordert: Die Preußen hatten rund 16.000, die Russen etwa 29.000 und die Österreicher zirka 14.000 Mann verloren. Auf französischer Seite wurden 61.000 Mann getötet oder verwundet, 30.000 Fran­zosen gerieten überdies in Gefangenschaft. Frankreich verlor 300 Geschütze und ließ 23.000 Mann verletzt in den Lazaretten zurück.

Durch die Völkerschlacht bei Leipzig war Napoleons Herrschaft in Deutschland endgültig beendet. Nur 100.000 Mann kehrten mit ihm nach Frankreich zurück. Weitere 80.000 Franzosen saßen als Garnisonskräfte zwar in den belagerten Festungen, doch stand ihnen kein Weg zum Rückzug offen, und so waren sie ebenfalls verloren. Zudem hatten die Königreiche Bayern und Sachsen in letzter Minute die Seite gewechselt und verstärkten fortan die Front der Verbündeten. Zu Jahresbeginn 1814 begann der alliierte Vorstoß nach Frankreich, der schließlich Napoleon stürzen sollte.

Olaf Haselhorst

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