Unverzichtbares Arbeitstier

78dmz2Der Transportpanzer „Fuchs“ 1 A8

Als ein Kind des Kalten Krieges sollte der 1979 in die Bundeswehr eingeführte TPz-1 „Fuchs“ die aus dem Kampfpanzer „Leopard“ 1, dem Schützenpanzer „Marder“ und dem Spähpanzer „Luchs“  bestehende „deutsche Panzerflotte“ komplettieren. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die Versorgung und Unterstützung der Panzer lediglich durch ungeschützte Pkw und Lkw durchgeführt. Gleichzeitig löste sich Deutschland damit auch aus der von den USA dominierten Rüstungsabhängigkeit, da alle Waffensysteme aus heimischer Produktion stammten. Bereits in den 1970er Jahren wurde das Vorhaben eines amphibischen, hochgeländegängigen und gepanzerten Radfahrzeuges als reines Transportfahrzeug an die Industrie weitergegeben. Das neue Fahrzeug sollte den amerikanischen M 113 ablösen. Aus den vielen deutschen Bewerbern um den prestigeträchtigen Rüstungsauftrag trat die Thyssen-Henschel AG als Gewinner hervor.

Das Grundkonzept ließ schnell einen allradgetriebenen, dreiachsigen und schwimmfähigen Panzer entstehen. Da das Fahrzeug für die Verwendung in zahlreichen Waffen­gattungen vorgesehen war, wurde von Seiten der Entwickler eine jeweilige Spezifikation berücksichtigt.

Seit 1999 das hauptverantwortliche Unternehmen, hat die Traditionsfirma „Rheinmetall Defence“ mit Hochdruck an den speziellen Anforderungen der Bundeswehr gearbeitet und die verschiedensten Varianten entwickelt. So entstanden unter anderem ein hochgeschütztes Sanitäts-Kfz, eine Funk- und EloKa-Version und für die ABC-Abwehrtruppe ein ABC-Spürpanzer. Daher weisen die weltweit über 1.300 ausgelieferten „Füchse“ 90 verschiedene  Muster und Rüstsätze auf.

Mercedes Benz Turbodiesel

Das Grundmodell (äußerlich an den glatten Türen im Heck zu erkennen) dient als Mannschaftstransporter. Die Besatzung besteht dabei aus zehn Soldaten (davon zwei Mann in der Fahrerkabine). Die sechs Quadratmeter große Heckfläche bietet acht voll ausgerüsteten Soldaten ausreichend Platz. Die gut gepolsterten Schalensitze können einzeln hochgeklappt werden und ermöglichen dadurch eine individuelle Nutzung des Laderaums. Durch seine Außenmaße von 6,83 Metern Länge, einer Breite von 2,98 Metern und einer Höhe von nur 2,30 Metern hat der „Fuchs“ eine vergleichbar kleine Silhouette. Angetrieben wird er durch einen Mercedes Benz Turbodiesel der Baureihe OM-400. Die V-förmigen acht Zylinder erbringen eine Leistung von 320 PS (235 kW). Damit ist auf der Straße eine Höchstgeschwindigkeit von 96 Stundenkilometern möglich. Die Minimalgeschwindigkeit von vier Stundenkilometern erlaubt es dem Fahrer, sich problemlos der Schrittgeschwindigkeit von Soldaten anzupassen. Der Einsatzradius wird mit 800 Kilometern auf europäischen Straßen angegeben. Auf schwierigem Untergrund trumpft der „Fuchs“ mit seinem permanenten 6×6 Allradantrieb richtig auf. Durch die zwei Lenkachsen und eine Bodenfreiheit von 40 Zentimetern ist er auch in anspruchsvollem Gelände kaum zu bremsen. Trotz seiner Länge hat das Fahrzeug nur einen Wendekreis von 17 Metern, was in dichten Wäldern oder bebautem Umfeld einen großen Vorteil darstellt.

Die meisten „Füchse“ sind für einen amphibischen Einsatz ausgelegt. Im Schwimmbetrieb erfolgt der Vortrieb durch zwei starke Ruderpropeller. Diese beschleunigen das Fahrzeug auf bis zu zehn Stundenkilometer. Für die Wasserfahrt wird ein hydraulisches Schwallschild aufgeklappt. Der „Fuchs“ kann im Wasser sehr präzise gelenkt werden. So sind mit einem Schwenk der Propeller 360 Grad-Drehungen möglich. Der Panzerkommandant steuert  das Fahrzeug aus der Beifahrerluke heraus über einen Steuerknüppel. Da der „Fuchs“ vom Grundkonzept als gepanzertes Transportfahrzeug für Soldaten und Material geplant und nicht für einen Einsatz in der „heißen Zone“ vorgesehen war, ist er insgesamt eher schwach gepanzert.

Schutz gegen Handwaffenbeschuß

Die selbsttragende, geschweißte Panzerwanne bietet Schutz gegen Handwaffenbeschuß und Splitterwirkung. Panzerglasscheiben und zusätzliche Beschußblenden gewährleisten begrenzte Sicherheit für die Fahrzeugbesatzung. Die Unterteilung der Wanne in Fahrer- und Transportraum, welche durch einen Kriechtunnel verbunden sind, erhöht die Überlebensfähigkeit der Besatzung ins­gesamt. Der „Fuchs“ hat keine offensive Bewaffnung.

Je nach Variante verfügt das Fahrzeug aber über bis zu zwei Maschinengewehre MG3 7,62 x 51mm zur Selbst­verteidigung. Eines ist auf einer Drehringlafette um die Beifahrerluke montiert. Ein weiteres ist im Heck auf einer Freirichtlafette angebracht. Beide Waffen können so einen 360 Grad-Kreis abdecken. Durch die hohe Feuerrate und eine große Wirkungsreichweite sind die MG3 für diese Aufgabe bestens geeignet. Zusätzlich ermöglicht bei Bedrohung eine Nebelwurfanlage ein sicheres Durch­stoßen oder Ausweichen.

Viele Varianten des „Fuchs“, welche bei den Kampftruppen im Einsatz sind, verfügen zusätzlich über eine Aufnahme für die Panzerabwehrwaffe „Milan“. Sie ist an der Kommandantenluke angebracht und ermöglicht die Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen oder in der Praxis das Ausschalten von Mörserstellungen oder Scharfschützen-Nestern.

Seine „Feuertaufe“ erhielt der TPz „Fuchs“ während des UN-Unterstützungseinsatzes 1993 in Somalia. Hier kamen 46 Fahrzeuge des Typs im Schwerpunkt für den Konvoischutz zum Einsatz. Wegen der schwachen Bewaffnung sollte das Basis-Fahrzeug später mit einem unbemannten Drehturm und einer 20 mm-Bordmaschinenkanone versehen werden. Im Praxistest stellten sich jedoch schnell Probleme ein. So war die Struktur des Fahrzeugdaches zu schwach, um die zusätzlich auftretenden Vibrationen während des Fahrbetriebes zu absorbieren. Außerdem verlagerte sich durch die Waffenplattform der Schwerpunkt des Fahrzeuges zu Lasten der Standfestigkeit. Daraufhin wurde das Konzept verworfen.

Seit der Einführung bei der Bundeswehr wurde das Konzept „Fuchs“ ständig überarbeitet und aufgewertet. Anregungen und Erfahrungswerte aus der Truppe wurden zügig umgesetzt. So wurde neben einer verbesserten Funkanlage und einer dickeren Panzerung auch ein stärkerer Motor (jetzt 428 PS) eingebaut.

Modifizierung des Fahrwerks

Sein ganzes Können und seine universelle Einsetzbarkeit konnte der „Fuchs“ aber erst 1996 während des UN-Einsatzes im Balkankonflikt unter Beweis stellen. Hier wurde auch das Schutzpaket für den Panzer das erste Mal im größeren Umfang der Einsatzlage angepaßt.

Mit einer neuen, modular aufgebauten Schutzausstattung konnte der ballistische Schutz wesentlich erhöht werden. In der Version 1 A7 wurden die Frontblechböden mit einer stärkeren Panzerung versehen und weitere Staukästen angebracht. Die Nutzlast des Fahrzeuges ist durch die Verstärkung der Achsen und die Anpassung der Bremsanlage  zusätzlich gesteigert worden. Auch die weitere Modifizierung des Fahrwerks ließ eine größere Auslastung des Ladevolumens zu.

Im September 2010 erhielt Rheinmetall Folgeaufträge für die Modernisierung von weiteren 65 TPz „Fuchs“ zum Muster 1A8. Dreißig der Fahrzeuge sind bereits für die Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz. Die Bundeswehr entdeckte schnell die universellen Einsatzmöglichkeiten des „Fuchs“ im harten Alltag. Mit seiner hohen Zuverlässigkeit und seinen „Nehmerqualitäten“ ist dieser Panzer zum vielseitigsten Fahrzeug der Bundeswehr geworden. Ob bei der Kampfmittelbeseitigung, als Führungsfahrzeug oder sogar im Brandschutz, der TPz „Fuchs“ 1 A8 ist, neben den ganzen Neuentwicklungen, ein unverzichtbares „Arbeitstier“. Er wird laut Planung der Bundeswehr durch weitere Kampfwertsteigerungen (Störsender, FLW200 usw.) bis 2020 seinen Dienst versehen.

Klaus Reihmann

1 Kommentar zu „Unverzichtbares Arbeitstier“

  1. Ich bin sehr zufrieden mit der Lesung zufrieden, ich grüße Sie

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