Militärische Leckerbissen

dmz-76-3Deutsche Militärfahrzeuge in Holland

Geschichtliche Begebenheiten gewinnen einen eigentümlichen Reiz, wenn wir die Örtlichkeit kennen, wo sie stattgefunden haben“, soll der preußische Generalfeldmarschall Helmut von Moltke einmal gesagt haben. Wer diese Erfahrung sammeln möchte, für den lohnt sich der Weg in das nur wenige Kilometer westlich der deutsch-niederländischen Grenze gelegene Overloon. Hier befindet sich das „Nationale Kriegs- und Widerstandsmuseum“ der Niederlande. Es hat eine bemerkenswerte Geschichte. Im Mai des Jahres 1946 hatte ein Gründungskomitee aus dem Dorf Overloon mit dem Aufbau der Ausstellung begonnen. Erklärte Absicht war es, damit an die heftige Schlacht zu erinnern, die in der Zeit vom 24. September bis zum 16. 0ktober 1944 in dem Gebiet zwischen Overloon und Venray zwischen alliierten und deutschen Truppen stattgefunden hat. Sie war unmittelbare Folge der Bildung des sogenannten „Holland-Korridors“ Eindhoven-Nimwegen durch die 2. britische Armee am 17. September 1944 (Operation „Market Garden“). Die hohen Erwartungen der Alliierten erfüllten sich jedoch nicht. Den deutschen Truppen gelang es, die Abwehrfront zwischen Nimwegen und Venlo zu stabilisieren. „Market Garden“, die Luftlandeoperation amerikanischer, britischer und polnischer Verbände bei Arnheim und Nimwegen, scheiterte. Die deutsche Verteidigung entlang der Reichsgrenze hielt stand.

Das Kriegs- und Widerstandsmuseum Overloon gehört zu den direkten Folgen dieser Schlacht, aber auch des Zweiten Weltkrieges, soweit sich dieser zwischen 1940 und 1945 auf niederländischem Boden abgespielt hat. Den Museumsbestand bildeten zunächst die Überbleibsel des Schlachtfeldes. Dazu gehörten ein Panzerkampfwagen V „Panther“(Sd.Kfz. 171), ein 15 cm-Nebelwerfer 41, weiterhin diverse Panzerabwehr-, Flugzeugabwehr- und Feldgeschütze der deutschen Seite. Die alliierten Truppen waren unter anderem mit verschiedenen Panzerspähwagen, einem englischen Kreuzerpanzer Mk VIII „Cromwell“ Mk IV, zwei Infanteriepanzern Mk IV „Churchill“ (Ausführungen Mk IV und Mk V), einem amerikanischen mittleren Panzer M4 „Sherman“ und mit Feldgeschützen, Scheinwerfern und mehreren Flugzeugen vertreten. Dank der vielen Spenden alliierter Truppen und zahlreicher Privatpersonen mußte man die Einrichtung schon sehr bald vergrößern.

Eine gut sortierte Sammlung

Heute präsentiert sich das Museum auf einer Fläche von 140.000 Quadratmetern, wovon 20.000 Quadratmeter überbaute Ausstellungsfläche darstellen. Allein in der neuen, vor einigen Jahren eröffneten Halle stehen 13.000 Quadratmeter zur Präsentation von Wehrtechnik zur Verfügung. Hier wird vor allem militärisches Großgerät der Alliierten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges vorgestellt.

militärfahrzeugeSpezialisten finden in der Ausstellung aber auch eine gut sortierte Sammlung deutscher Munition und hochwertige Uniformen, Waffen sowie Ausrüstungsgegenstände der deutschen Fallschirmjägertruppe aus dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt bildet Overloon ein großzügiges und abwechslungsreiches Angebot an Besucher, vornehmlich aus Deutschland und den Niederlanden, die Geschichte dieser Region von einem Standort aus zu erschließen, der mit dem Reiz historischer Ereignisse behaftet ist.

Wer das Kriegs- und Widerstandsmuseum Overloon am 15. und 16. Mai dieses Jahres besucht hat, konnte nicht nur auf historischem Boden wandeln, ihn erwartete an diesem Wochenende eine Überraschung besonderer Art. Die Museumsleitung hatte unter dem Motto „Militracks Overloon“ erstmals zu zwei erlebnisreichen Tagen mit historischer Fahrzeugtechnik militärischer Provenienz eingeladen. In der Werbung wurde ausdrücklich auf die zahlreichen deutschen Militärfahrzeuge hingewiesen, die erstmals in dieser Massierung in den Benelux-Staaten einem jungen und einem alten Publikum vorgestellt wurden. Möglich machten das zwölf namhafte Militärfahrzeugsammler aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden. Die Zahl der Rad-, Halbketten- und Vollkettenfahrzeuge sowie militärischer Sonderanhänger, die hier versammelt werden konnten, war atemberaubend. Sie waren alle in einem ausgezeichneten technischen und optischen Zustand. Das war eine Bedingung für die Teilnahme an dem exklusiven Treffen, denn nach dem erklärten Willen der Veranstalter sollten die Fahrzeuge in Aktion gezeigt werden und auf Wunsch auch Besucher befördern. Dafür war von der Museumsmannschaft eine 1,7 Kilometer lange Waldrundstrecke durch den Museumspark vorbereitet worden. Sie führte vorbei an Tribünen, Brückendurchfahrten, Imbißständen und der Gartenterrasse der zum Museum gehörenden Gaststätte. Außerdem waren überall an diesem Parcours Sitzbänke aufgestellt. Es gab also ausreichend Gelegenheit für die Enthusiasten historischer Militärtechnik, die Objekte ihrer Begierde, in voller Fahrt durch das schwierige Gelände, zu fotografieren.

Erlebnis: Eine Fahrt im historischen Fahrzeug

Davon ist reichlich Gebrauch gemacht worden, das zumindest hat Fahrern und Mitfahrern das Blitzlichtgewitter auf der Strecke signalisiert. Viele Besucher nutzten überdies das Angebot, mit einem Jagdpanzer 38 „Hetzer“ (Sd.Kfz. 138/2), einem der beiden mittleren Zugkraftwagen 8 t (Sd.Kfz. 7) oder einem der drei leichten Zugkraftwagen 1 t (Sd.Kfz. 10) mitzufahren. Gleiches galt für die Personen-und Lastkraftwagen. Dabei erntete der VW-Schwimmwagen (Kfz. l/20) wiederum das besondere Interesse des Publikums. Insgesamt umrundeten die Fahrzeugveteranen 1.200mal die Waldstrecke, was 2.040 gefahrenen Kilometern entspricht. Dabei wurden fast 2.000 Liter Vergaserkraftstoff verbraucht. Je nach Fahrzeugart und -typ waren das neun bis 160 Liter auf 100 Kilometer Fahrstrecke. Rund 4.800 Besucher zählten die Mitarbeiter des Kriegs- und Widerstandsmuseums an diesem Wochenende. Das ist ein großer Erfolg. Das Angebot, Erkenntnisse und Erfahrungen in einem sehr lebendigen Museum (im wahrsten Sinne des Wortes) zu sammeln, ist angenommen worden.

Die größte niederländische Tageszeitung De Telegraaf berichtete: „Bemerkenswerte Vorführung von Kriegsfahrzeugen während des vergangenen Wochenendes im Kriegs- und Widerstandskämpfermuseum ,Liberty Park‘ in Overloon. Dort, wo normalerweise Fahrzeuge der Alliierten zur Schau gestellt sind, gab es diesmal nur deutsches Kriegsmaterial. Davon gibt es erheblich weniger, und zur Schonung werden sie nur selten dem Publikum vorgeführt.“

In einer Zeit voller wissenschaftlichen und technischen Hochmutes fällt es schwer, die Vergangenheit zu erkennen. Mit dem Exkurs in die Vergangenheit militärischer Fahrzeugtechnik haben die niederländischen Veranstalter den Versuch gemacht, Museumsbesuchern den Reiz historischer Technik zu vermitteln, die vor 70 Jahren Spitzentechnologie darstellte. Das ist vollauf gelungen. Gleichzeitig wurde man dem Anspruch, an den Zweiten Weltkrieg auf niederländischem Boden, im Besonderen aber an die Schlacht bei Overloon zu erinnern, gerecht.

Frank Schüttig

3 Kommentare zu „Militärische Leckerbissen“

  1. Maria sagt:

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    Gruss Nadine

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