Das neue Raubtier der Bundeswehr

Der Puma bietet eine variable Einheitsplattform – eine weitere Nutzung als Berge-, Transport- oder Flugabwehrpanzer nach dem neuen Beschaffungsplan der Bundeswehr ist daher möglich.

Der Puma bietet eine variable Einheitsplattform – eine weitere Nutzung als Berge-, Transport- oder Flugabwehrpanzer nach dem neuen Beschaffungsplan der Bundeswehr ist daher möglich.

Schützenpanzer „Puma“: Effizientester Schützenpanzer der Welt

Jede moderne Armee der Welt stützt sich auf seine drei Säulen: Marine, Luftwaffe und Heer. Bei der Bundeswehr wird letztere als größte Teilstreitkraft im wesentlichen durch Panzergrenadier- und Jäger-Verbände gestellt. Basierend auf den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges, gehen die Grenadiereinheiten bevorzugt im Verbund mit dem Kampfpanzer „Leopard“ gegen feindliche Kräfte vor. Für ihr schnelles und flexibles Vorgehen dient den Grenadieren seit 1971 der Schützenpanzer „Marder“ als Gefechtsfahrzeug und Mutterschiff. Ursprünglich für die großen Panzerschlachten eines dritten Weltkrieges zwischen den ehemaligen Großmächten USA und UdSSR konzipiert, zeigten sich beim „Marder“ bereits während seines ersten Einsatzes 1999 im Kosovo-Krieg (und später auch in Afghanistan) in der Verwendung als Patrouillen- und Sicherungskomponente Schwachstellen. Vorkommnisse mit Sprengfallen verdeutlichten, daß der Minenschutz nicht ausreichend war. Auch die fehlende Klimaregulierungsmöglichkeit im Panzer­innenraum macht den Soldaten und der Technik schwer zu schaffen. Der SPz „Marder“ ist ein gelungenes „Kind seiner Generation“, und die etwa 1.500 Gefechtsfahrzeuge der Bundeswehr sind nach wie vor für die reine Landesverteidigung bestens geeignet.

Der „Puma“ soll nun in der nahen Zukunft die durchsetzungsstarke Waffe des Heeres bei globalen Auslandseinsätzen darstellen.

Vorausschauend ist bereits 1996, im Auftrag des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) in Koblenz, von den Rüstungsherstellern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall-Landsysteme (RLS) mit der Neukonzeptionierung eines Nachfolgemodells des „Marder“ begonnen worden. Nachdem der Haushaltsausschuß des Deutschen Bundestages im September 2002 den Entwicklungsauftrag bestätigte und 2004 die Anschaffung von insgesamt 410 neuen Schützenpanzern freigegeben wurde, trat das Hersteller-Konsortium 2009 bei einem Symposium im Ausbildungszentrum der Panzertruppe in Munster mit dem neuartigen SPz „Puma“ vor die Presse.

Mit einer Länge von 7,40 Metern, einer Breite von 3,43 Metern und einer Höhe von 3,10 Metern ist der „Puma“ etwas größer als sein Vorgänger. Die zusätzlich adaptierbaren Schutzmodule (Schutzstufe C = Combat) erhöhen seine Breite sogar auf 3,70 Meter.

Auch das Grundgewicht von 31,45 Tonnen erhöht sich dadurch auf 41 Tonnen. Angetrieben wird der Schützenpanzer von einem 1.088 PS (800 kW bei 4250 U/min) starken Zehn-Zylinder-Kompakttriebwerk (V 10 892 High Power Density Motor) von MTU. Das erlaubt auf der Straße eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern. Die Einsatz-Reichweite beträgt dabei bis zu 600 Kilometer.

Durch das neuartige, entkoppelte hydraulische Stützrollenlaufwerk ist das gesamte Fahrwerk nur über Dämpfungselemente mit der Wanne verbunden. Diese Innovation vermindert erheblich die auftretenden Vibrationen und verringert zusätzlich den Körperschallpegel auf erträgliche 96 dBA. Die Federkraft wird durch temperaturunempfindliche hydropneumatische „Hydrops“ (mit komprimierbarem Gas) gewährleistet und hält die Bodenfreiheit konstant auf 45 Zentimeter. Insgesamt hat der SPz „Puma“ eine Tiefwatfähigkeit von 1,5 Metern Wassertiefe, ist aber auch mit adaptiertem Tauchschacht für Unterwasserfahrten geeignet. Eine leistungsstarke Raumkühl- und Heizanlage ermöglicht Einsätze in allen Klimazonen. Das macht einen längeren Aufenthalt im ca. zehn Kubikmeter großen durchgängigen Innenraum für die neun Soldaten (drei Mann Besatzung und sechs Mann Grenadiertrupp) angenehmer.

In seiner Grundversion (A = airportable) ist der SPz „Puma“ im neuen Airbus A400M-Transportflugzeug luft­verladefähig und damit schnell für globale Einsätze verlegbar. Anders als bei den Schützenpanzern der übrigen NATO-Partner ist dem Schutz und der Überlebensfähigkeit der Besatzung höchste Priorität zugebilligt worden. Die modulare Verbundpanzerung bietet einen vollständigen Minen­schutz (schwere Spreng-Splitter­minen bis zehn Kilogramm) sowie ballistischen Schutz gegen Panzer­abwehrwaffen (z.B. RPG-7) und alle Infanteriewaffen (einschließlich großkalibrige Scharfschützenwaffen bis 25 mm). Selbst alle Laufwerks­komponenten und die 500 Millimeter breiten Stahllaufketten sind dem Minenschutz angepaßt. Die Soldaten sitzen in einzelnen, schockabsorbierend gefederten Schalensitzen und sind zusätzlich bei Geländefahrten angegurtet. Da aus der Erfahrung des letzten Krieges der Panzerturm am häufigsten Treffer erhält, ist dieser vollständig automatisiert worden und aus dem Fahrzeuginneren heraus zu steuern. Den Fahrzeugbedienern steht für die Fahr-Beobachtungstätigkeit sowie den Feuerkampf eine Vielzahl von optischen und optronischen Tag/Nacht­sensoren zur Verfügung.
Aufgrund von Erfahrungen aus den Einsätzen von KFOR und ISAF ist besonderes Augenmerk auf die Beobachtungsvorrichtungen für den Nahbereich (bis zu 50 Meter) des Schützenpanzers gelegt worden. Mit diesen Sichtmitteln ist die gesamte Besatzung jetzt in der Lage, eine ständige turmunabhängige 360 Grad-Beobachtung zu gewährleisten. Die Primärbewaffnung des SPz „Puma“ ist eine 30 mm-Bordmaschinenkanone des Typs MK 30-2/ABM (Air Burst Munition) der Firma Rheinmetall. Mit dieser voll stabilisierten Kanone bekämpft er im Einzelfeuer oder in schnellem Einzelfeuer (200 Schuß/min.), auch aus der Bewegung heraus, gepanzerte Fahrzeuge bis 2.000 Meter Entfer­nung. Die Standard-Unter­kaliber-APFSDS-T-Munition (ein Pfeilwuchtgeschoß) durchschlägt mit hoher kinetischer Energie alle bekannten Panzerungen (Vollblock- und Schottpanzerungen). Die Abschußgeschwindigkeit beim Verlassen des Rohres beträgt dabei beachtliche 1.385 m/sek. Das bedeutet eine Flugzeit von 0,76 Sekunden bis zum 1.000 Meter entfernten Ziel.

Für „weiche Ziele“ (Hubschrauber, leicht gepanzerte Fahrzeuge, Infanteristen oder befestigte Stellungen) bis 3.000 Meter Entfernung steht die programmierbare KETF (Kinetic Energy Time Fuze) zur Verfügung. Deren Gefechtsköpfe können (über einen Zeitzünder) so eingestellt werden, daß sie sich vor, im oder hinter dem Auftreff-Ziel zerlegen und dann zur Wirkung kommen. Dabei werden 162 Subprojektile (Pfeilgeschosse) aus Wolfram ausgestoßen. Der Munitionsvorrat beträgt 400 Schuß, davon 200 Schuß an der Waffe.

Als Sekundärwaffe dient ein parallel zur BMK eingebautes MG4 Kaliber 5,56 x 45 mm, das bei der Bedienung mit der Hauptwaffe gerichtet wird. Mit einer Schußkadenz von 850 Schuß/min. kann es Ziele bis 1.000 Meter Entfernung bekämpfen. Der Munitionsvorrat umfaßt 2.000 Schuß, davon 1.000 Schuß an der Waffe.

Eine weitere Neuerung ist die Sprengkörperwurfanlage SKWA im Kaliber 76 mm. Sie verschießt gegen feindliche Infanteristen im Nahbereich, in einem 90-Grad-Seiten-Winkel, Granaten bis zu 90 Meter weit. Jede Granate hat einen Wirkungsbereich von 25 Metern.

Das Einsatzkonzept der Panzergrenadier-Truppe wird sich für die Zukunft in einem neu gestalteten Auftragsspektrum widerspiegeln. Einzelne Verbände werden sich, losgelöst von der bisherigen Taktik der „verbundenen Waffen“, selbständig und auf sich gestellt in symmetrischen und asymmetrischen Gefechten „mittlerer Intensität“ durchsetzen müssen und dies häufig in urbanem Umfeld und über einen längeren Zeitraum. Der SPz „Puma“ ist hervorragend für autonome strategisch-operative Einsätze geeignet und gilt mit Recht als der effizienteste Schützenpanzer weltweit.

Udo Lücken

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