Bewährung auf dem Balkan

Angehörige des Fallschirmjägerbataillons 500 im Häuserkampf: „Da sind brennende Häuser zu erkennen, kleine schwarze Punkte rennen wild durcheinander.“

Angehörige des Fallschirmjägerbataillons 500 im Häuserkampf: „Da sind brennende Häuser zu erkennen, kleine schwarze Punkte rennen wild durcheinander.“

SS-Fallschirmjäger im Kampfeinsatz

Kurz vor 6 Uhr besteigen wir unseren Segler. In dem von Batschauer nehmen der Einsatzführer Müller, Truppführer Bastian, Streckfuß, Öhm, Fresdorf und ich unseren Platz ein. Ein Stuka hängt sich vor unsere Kiste aus Sperrholz und Leukoplast. Um 6 Uhr ein Getöse, die etwa 40 Apparate setzen sich in Bewegung, und bald schweben wir über dem dalmatinischen Bergland, dreitausend Meter hoch. In dem luftigen Kasten zieht es ganz fürchterlich. Infolge des beengten Raumes kann man sich kaum rühren. Batschauer unterhält sich in schönstem Schwäbisch mit dem im Stuka sitzenden Piloten. Ständig umkreisen uns unsere Jagdmaschinen. Nach einer Stunde klinken uns die Stukas sieben Kilometer vor dem Ziel aus. Wir schauen nach unten. Da sind brennende Häuser zu erkennen, kleine schwarze Punkte rennen wild durcheinander. Batschauer ruft seelenruhig nach hinten: ,Jetzt stürzet mer.‘ Unser Vogel neigt sich zunächst leicht und beginnt Schleifen zu drehen. Die Berge ringsherum stehen einmal richtig, dann wieder schräg, dann fast auf dem Kopf. Da müssen wir uns sehr energisch festhalten. Mit 80 Grad stürzen wir in kürzester Zeit von 3.000 auf 150 Meter. Dann fängt Batschauer mittels des Bremsfallschirmes den Segler auf etwa 20 Grad ab. Wir hören es knallen, dann ein Knacken und Krachen. Ich werde hochgehoben und sitze dann elegant auf einer Blechkante unseres Seglers, anscheinend unverletzt. Doch merke ich die Auswirkung dieses Manövers noch gute drei Wochen lang bei meinem Stuhlgang. Was war geschehen? Die Flak der Partisanen hatte uns einen Treffer in den Schwanz gesetzt, Batschauer verlor für einen Augenblick die Herrschaft, nahm mit der linken Tragfläche einen Baum mit bzw. der Baum die linke Tragfläche. Wir sind aus zirka acht Metern heruntergefallen. Öhm und Streckfuß müssen gleich zum Hauptverbandplatz. Oberscharführer Müller legt sich erstmal fünf Minuten lang kreidebleich neben den zerstörten Segler, Bastian beißt sich ein Loch in seine Zunge, nur Fresdorf kommt ungeschoren davon.

Brutalität des Krieges

Für uns Unverletzte gibt es zunächst nicht viel zu überlegen. Rings­umher knallt es. Das ist für mich neu, so laufe ich auf ein paar Gestalten zu, die wild daher gelaufen kommen. Auf eine Geste Fresdorfs sehe ich mir die Gestalten genauer an und erkenne erst jetzt den Sowjetstern auf dem italienischen Käppi. Bastian und ich erwidern das Geschieße, und nach kurzer Zeit kippen die Kollegen der anderen Seite um. Sie kommen hinter einer Böschung zu liegen, und als sich einer auf wiederholten Ruf ,Hände hoch‘ kurz hochwirft, springe ich nach Verschuß eines weiteren Pistolenmagazins zu ihm hin. Ein Toter liegt da, der andere hat seine Hose von den total zerschossenen Beinen gerissen und verbindet sich gerade. Ein schmerzverzerrtes Gesicht sieht mir entgegen. Ich bringe es nicht fertig, weiter auf diesen typischen Verwaltungsoffizier zu schießen und gebe ihm mein Verbandspäckchen, damit er sich ordentlich verbinden kann. Seinen Füllfederhalter sowie alles Persönliche gebe ich ihm ebenfalls zurück und nehme nur die Aktentasche, voll mit Papieren, und eine kleine spanische Pistole mit. Da kommen zwei Männer der Schützenkompanie angelaufen, lächeln mich als Greenhorn mitleidig an, einer der B-Schützen nimmt seine Pistole und erschießt den Partisanen.

Bastian hat sich inzwischen nach dem Gefechtsstand erkundigt. Ungefähr drei Kilometer entfernt liegt er in Drvar. Nach 500 Metern Ziehen der schweren Abwurfbehälter durch unseren reduzierten Funktrupp lassen wir diese schimpfend und fluchend einfach stehen. Die völlig überraschten Partisanen sind von hier vertrieben. In unserer Not kommen Gefangene zu Hilfe. Unter ständigen Beteuerungen ,Nix Partisan‘, schleppen sie unsere drei Behälter auf den hochgelegenen Friedhof. Dort befinden sich bereits die ersten Verwundeten, einige Tschetniks und der blutjunge Untersturmführer Wabersich (der beim Versuch, seinen dritten Panzer zu knacken, einen Schuß in den Arm bekam). Auch einige Engländer und Amerikaner sitzen völlig verstört auf den Steinen herum; sie gehörten zu den alliierten Militärmissionen. Bataillonskommandeur Rybka sichtet die ersten Ergebnisse des Einsatzes. Das gesamte Hauptquartier Titos ist zerschlagen, nur der alte Fuchs selber ist wieder entkommen. Aber seine Marschall-Uniform und seinen prächtigen Hund hat er zurücklassen müssen. Die ausländischen Militärmissionen sind ebenfalls aufgelöst, die Mitglieder gefangengesetzt. Unsere Leute konnten sogar noch das warme Frühstück der Engländer verzehren. Der mit dem Fallschirm abgesprungene Haselwanter bringt uns die 80 Watt-Unterlagen. Unterscharführer Fischer hat mit dem 20 Watt-Sender schon die beste Verbindung mit den deutschen Aufklärern über uns. Eine Luftnachrichtenfunkstelle hält Verbindung zum Flughafen Agram und leitet den vorzüglichen Einsatz der deutschen Luftwaffe.

Scharfschützen nehmen uns ins Visier

Die Kampfhandlungen haben sich außerhalb der Stadt verlagert. Beim Aufbauen unseres 80 Watt-Senders stören uns zunächst nur einzelne Scharfschützen von den gegenüberliegenden Höhen, die unseren Junker Schwarzbach mit einem Lungenschuß außer Gefecht setzen. Als wir unseren Betrieb mit dem Kragujevacer Panzer-Armeeoberkommando eröffnen wollen, landet gerade eindrucksvoll und planmäßig um 12 Uhr eine weitere Welle mit Schirmen. Infolge eines Rufzeichenfehlers der Schreiberlinge kann die praktische Verbindung erst gegen 15 Uhr zustandekommen.

Der Gefechtslärm wird immer stärker. Tito hat sich gesammelt und setzt mit großer Übermacht zum Gegenstoß an. Rybka gibt einen klaren Lagebericht an die höheren Stellen und fordert schleunigst Entsatz und Munition. Ununterbrochen funken wir nun seine dringenden Sprüche. Alle noch verfügbaren Waffen und Munitionsreserven werden auf dem Friedhof zusammengetragen, alles schon unter dem starken Gewehrfeuer der Partisanen. Die um 12 Uhr gelandete Gruppe unter Hauptsturmführer Obermaier ist abgeschnitten und muß sich erst zu uns durchschlagen. Um 18 Uhr beginnt der Gegner mit Werferfeuer auf den Friedhof. Um 19 Uhr ist unser 80 Watt-Sender durch Volltreffer zerstört. Der uns als Ersatz für die Verwundeten zugeteilte Remer fällt dabei, auch Unterscharführer Hoffmann wird tödlich verwundet. Schwerste Verluste gibt es nun während des weiter andauernden Feuers. Selbstlos hilft der gefangene englische Arzt unserem überlasteten Sanitätspersonal. Auch unser Bataillonskommandeur, Hauptsturmführer Rybka, ist schwer verwundet.

Der durch eiserne Ruhe und Kühnheit hervortretende Haselwanter hat erstmals das Kommando übernommen. Infolge der hereinbrechenden Nacht wird die deutsche Luftwaffe ausgeschaltet. Die Lage ist fast aussichtslos, Rybka rät Haselwanter, sich mit dem kleinen kampffähigen Rest in Richtung unserer Entsatztruppen durchzuschlagen. Die herbeigeholten Kompanieführer Schmidl, Kaulitz und Korngiebel stimmen dem Vorschlag zu. Da stoßen die Reste der Kampfgruppe Obermaier zu uns.

Verteidigung des Friedhofs

Der Hauptsturmführer selbst ist gefallen, der Adjutant Mertely lehnt den sofortigen Ausbruch ab und übernimmt das Kommando mit der Anordnung rücksichtsloser Verteidigung des Friedhofs.

Trotz des ununterbrochenen nächtlichen Ansturms scheitern die Angriffe der Partisanen immer wieder. Freilich nimmt unsere Munition ständig ab, und jeder Verlust bei uns wiegt schwerer als zehn des Gegners. Wir rechnen mit dem Ende des Widerstands am nächsten Morgen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Mertely hat richtig gerechnet. Kaum graut der Morgen, da brummt es von ferne, und ungefähr 30 Schlachtflugzeuge und Stukas räumen beim Gegner gewaltig auf. Die alten Henschel 126 feuern, was sie können, und die heulenden Stukas bekommen auch die letzten Titojaner klein. Endlich haben auch wir in unseren Löchern eine Verschnaufpause. Ach, wie da eine Zigarette schmeckt! Wenn nur der verheerende Durst nicht wäre, aber niemand kann an das Wasser kommen. Ju 52 brausen über uns hinweg und werfen Munition und Waffen so niedrig ab, daß die Lastenschirme meist gar nicht aufgehen. Ist das eine Freude. Mertely ordnet sofort die Stellungen, mit einem der Engländer holen einige Kameraden freiwillig Wasser; zunächst natürlich nur für die Verwundeten. Der Nahaufklärer teilt uns die Annäherung der ersten Entsatzkräfte mit. Die letzten Partisanen aber räumen ihre Stellungen erst, als hinter den westlich liegenden Bergrücken weiße Leuchtkugeln der Entsatztruppen aufsteigen.

Mertely ordert sofort einen Stoßtrupp zu der Stelle, wo die Gruppe Obermaier die Verwundeten zurücklassen mußte. Ein Bild des Grauens bietet sich unseren Leuten dar. Den Sowjetstern in die Stirn gebrannt, mit Zündschnüren umwickelt und dann verbrannt, Geschlechtsteile, Nase und Ohren waren abgeschnitten. So gingen die Verteidiger der Kultur mit den barbarischen Deutschen um. Nun läßt Mertely selbstverständlich den Befehl durchgeben: ,Strengste Maßnahmen sind gegen Partisanen und Flintenweiber zu ergreifen‘. Lediglich die alliierten Militärs sind von diesen härteren Maßnahmen ausgeschlossen. Auch der gefühlvollste Mensch muß hier jedes Mitleid verlieren.

Durchbruch der „Balkan-Feuerwehr“

Um 4 Uhr nachmittags ist es dann so weit. Die ersten deutschen Panzerspähwagen der Balkan-Feuerwehr-Division ,Brandenburg‘ halten am Friedhof nach gelungenem Durchbruch einer der letzten Stellungen des Gegners und werden herzlich begrüßt. Drei ,Spitfires‘ wollen diese Szene stören, doch die rasch aufgefahrene Flak der ,Brandenburger‘ knallt bei den ersten fünf Schüssen eine der Tommy-Maschinen ab. In Sekundenschnelle zerbirst sie an den bosnischen Berghängen. Die zweite ,Spitfire‘ zieht mit einer Rauchfahne ab, und die dritte sucht daraufhin schleunigst das Weite.

300 (in Worten dreihundert) Kameraden des Bataillons blieben unverwundet. Ihr Leben für Deutschland gaben weitere 300 Kameraden, der Rest wurde verwundet.

Drei Fieseler ,Störche‘ bringen am Spätnachmittag die Schwerverwundeten, unter ihnen unseren ,Papa‘ Rybka und vom Nachrichtenzug den sonst immer lustigen Unterscharführer Ebert, der auf dem Hauptverbandsplatz von Haselwanter noch zum Oberscharführer befördert wird, vom Kampfplatz. Leider mußte das rechte Bein von Ebert später amputiert werden. Am nächsten Tag wird eines dieser Sanitätsflugzeuge trotz des weithin sichtbaren ,Roten Kreuzes‘ von den britischen Lufthelden abgeschossen.

Leo Schaap

Örtchen im Balkangebirge: Das Gelände ist zerklüftet und unübersichtlich

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Kampfauftrag: Bewährung

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